Fondsgebundene Rentenversicherung oder Direktanlage in Aktienfonds
Kostenbetrachtung - Steuerbetrachtung - Psychologie
In diesem Artikel soll mit den oberflächlichen Betrachtungen vieler sogenannter "Verbraucherschutzzentralen" aufgeräumt werden. Es ist erschreckend wie viele Falschaussagen hier getroffen werden und wie - teilweise sinnlos - verschiedene Punkte verglichen und bewertet werden.
In vielen Fällen wird eine Empfehlung einzig und alleine aufgrund der Kostenstruktur erteilt. Leider werden bei der Fondsgebundenen Rentenversicherung die hohen Anfangskosten als einzig ausschlaggebendes Argument herangezogen und selten werden diese in der Tiefe analysiert.
Auch werden sehr häufig die Flexibilität und die Rückkaufswerte nach einigen Jahren bemängelt. Hierbei wird völlig außer acht gelassen, dass dieses Produkt der Altersvorsorge dient und nicht der Hausfinanzierung nach fünf Jahren.
Dieser Artikel soll sich nur mit der geeigneten Altersvorsorge beschäftigen. Es wird davon ausgegangen, dass diese Altersvorsorge über einen gut gemanagten internationalen Aktienfonds als Geldanlage gestaltet werden soll.
Hierbei werden wir uns in verschiedenen Schritten die verschiedenen Kriterien zur Entscheidung anschauen.
Im ersten Schritt wird eine Fondsgebundene Rentenversicherung mit einer Direktanlage in einen internationalen Aktienfonds verglichen. Dieser Vergleich wird sich auf folgende Unterpunkte beziehen:
- Abschlusskosten
- Kosten für Portfolioänderungen
- Steuerliche Behandlung in der Auszahlung
- Fondskosten
- Psychologie
Um die oben angesprochenen Punkte analysieren zu können, müssen wir erst einmal die wesentlichen Parameter festlegen:
In unserem Fall handelt es sich um einen Mann, der für seine Altersvorsorge sparen möchte. Er ist genau 25 Jahre alt und beabsichtigt bis zum Alter von 67 Jahren zu sparen. Wir haben somit einen Zeithorizont von 42 Jahren. Die monatliche Sparrate beträgt 150 Euro.
Abschlusskosten
Fondsgebunden Rentenversicherung:
Er entscheidet sich für eine Fondsgebundene Rentenversicherung der Aspecta. (Die Beispielrechnung kann hier heruntergeladen werden.) In diesem Fall erhält er bei einer prognostizierten Fondsrendite von 8% eine Ablaufleistung von 493.219 Euro, bei einer Fondsrendite von 9% eine Ablaufleistung von 652.047 Euro. Er hat in dieser Zeit 75.600 Euro eingezahlt.
Direktanlage:
Er entscheidet sich für die Direktanlage in einen internationalen Aktienfonds. Dieser hat 5,25% Ausgabeaufschlag. Diese fallen bei jeder Einzahlung an. Bei einer prognostizierten Fondsrendite von 8% hat er nach 42 Jahren eine Ablaufleistung von 542.801 Euro, bei einer prognostizierten Fondsrendite von 9% hat er eine Ablaufleistung von 723.672 Euro. Auch er hat in dieser Zeit 75.600 Euro eingezahlt.
Zusammenfassung:
In diesem Fall ist die Direktanlage in einen Investmentfonds erst einmal ertragreicher. Bei einer prognostizierten Fondsrendite von 8% erwirtschaftet die Direktanlage 49.582 Euro mehr und bei 9% Fondsrendite sogar 71.625 Euro.
An dieser Stelle müssen wir den Vergleich leider einstellen. Das Ergebnis erscheint eindeutig und klar. Eine Direktanlage ist viel lukrativer und an einer Fondsgebundenen Rentenversicherung verdient nur die Versicherungsgesellschaft und der Vermittler!
Doch ist das wirklich so einfach?
Aus diesem Grunde sollten wir uns einmal die anderen Punkte anschauen.
Kosten für Portfoliowechsel
In den seltensten Fällen bleibt die ursprüngliche Fondsauswahl die gesamte Vertragslaufzeit erhalten. Aus diesem Grunde wird es von Zeit zu Zeit einen Wechsel der ursprünglich gewählten Fonds geben. Es ist möglich hierfür ein übergeordnetes Management in Form von Dachfonds oder Portfoliomanager zu beauftragen. Dies würden wir jedoch aus Kosten- und Sicherheitsgründen auf keinen Fall empfehlen (Artikel über Dachfonds). In unserem Fall gehen wir davon aus, dass wir nur alle 10 Jahre die Fondsauswahl ändern.
Fondsgebunden Rentenversicherung:
Bei der Fondsgebundenen Rentenversicherung der Aspecta hat dies keine Auswirkung. Es fallen keine Kosten für den Fondswechsel an. Bei einem Fondswechsel wird kein Ausgabeaufschlag erhoben. Somit bleibt das Ergebnis nach 42 Jahren wie oben beschrieben. Wir haben noch immer bei 8% Fondsrendite eine Ablaufleistung von 493.219 Euro und bei 9% Fondsrendite 652.047 Euro.
Direktanlage:
Bei der Direktanlage in Fonds verhält sich dies anders. Bei jedem Wechsel werden wieder die Ausgabeaufschläge fällig. In diesem Fall 5,25% nach 10 Jahren, nach 20 Jahren, nach 30 Jahren und nach 40 Jahren. Somit schrumpft die Ablaufleistung bei 8% Fondsrendite auf 458.630 Euro und bei 9% Fondsrendite auf 609.028 Euro.
Zusammenfassung:
In diesem Fall ist die Fondsgebundene Rentenversicherung aus Kostensicht deutlich interessanter. Sie erwirtschaftet bei 8% Fondsrendite 34.589 Euro und bei 9% Fondsrendite sogar 43.019 Euro mehr als die Direktanlage. Bei dieser Betrachtung darf jedoch nicht vergessen werden, dass wir uns hier in der Ansparphase befinden. Die Ansparphase begleitet jedoch nur die Hälfte der Zeit der Altersvorsorge. In der Bezugsphase / Rentenphase werden voraussichtlich noch einige Fondswechsel hinzukommen. Dies würde das Ergebnis der Direktanlage noch einmal deutlich verschlechtern.
Steuerliche Behandlung in der Auszahlung
In diesem Teil werden wir mit den vereinfachten Endzahlen aus der Rechnung 1b weiterarbeiten. Hierbei wird die Einmalauszahlung nach 42 Jahren näher betrachtet und danach gezeigt, wie Sie die Steuerlast durch eine Verrentung noch einmal zusätzlich senken können. In der Berechnung der Besteuerung der Aspecta Fondsrente wir davon ausgegangen, dass ein linearer Grenzsteuersatz von 30% vorliegt. Dieser ist höher als der Steuersatz beim Direktinvestment. Dieser liegt seit 2009 pauschal nur bei 25%. Hinzu kommt bei den Betrachtungen noch der Solidaritätszuschlag. Die Kirchensteuer findet keine Beachtung, da diese nicht von jedem bezahlt wird.
Fondsgebunden Rentenversicherung:
Bei der Fondsgebundenen Rentenversicherung der Aspecta erwirtschaften wir bei einer angenommen Fondsrendite von 8% eine Ablaufleistung von 493.219 Euro. Die Nettoauszahlung nach 42 Jahren bei einem linearen Grenzsteuersatz von 30% + Solidaritätszuschlag berechnet sich wie folgt:
Endkapital-Einzahlung)/2*(Steuersatz +Steuersatz * Solisatz)=Steuerlast
(493.219-75.600)/2*(0,3+03*0,055)=66.088 (Steuerlast)
Somit stehen nach Steuer 427.131 Euro zur finanziellen Verfügung
Bei einer angenommen Fondsrendite von 9% erwirtschaften wir eine Ablaufleistung von 652.047 Euro. Hier fällt nach der gleichen Berechnung wie im obigen Beispiel eine Steuer von 91.223 Euro an. Dies führt zu einer Auszahlung nach Steuern von 560.824 Euro.
Direktanlage:
Bei der Direktanlage in Fonds haben wir bei einer angenommen Fondsrendite von 8% nach den Fondswechseln eine Ablaufleistung von 458.630 Euro. Die Auszahlung nach 42 Jahren unter der Betrachtung der Pauschalbesteuerung berechnet sich wie folgt:
(Endkapital-Einzahlung)*(Pauschsteuer.+Pauschsteuers*Solisatz)=Steuerlast
(458.630-75.600)*(0,25+0,25*0,055)=101.024 (Steuerlast)
Somit stehen nach Steuer 357.606 Euro zur finanziellen Verfügung.
Bei einer angenommen Fondsrendite von 9% haben wir eine Ablaufleistung von 609.028 Euro nach allen Fondswechseln. Hier fällt nach der gleichen Berechnung wie im obigen Beispiel eine Steuer von 140.692 Euro an. Dies führt zu einer Auszahlung nach Steuern von 468.336 Euro.
Zusammenfassung:
Es ist erstaunlich, dass trotz des höheren Steuersatzes die Fondsgebundene Rentenversicherung geringere Abgaben hat als die Direktanlage. Dies liegt an der deutschen Steuergesetzgebung und dem daraus resultierenden Halbeinkünfteverfahren. So kommt es, dass Sie bei der Fondsgebundenen Rentenversicherung bei einer Fondsrendite von 8% nur 66.088 Euro Steuern zahlen müssen und bei der Direktanlage 101.024 Euro. Bei 9% Fondsrendite haben Sie bei der Fondsrente 91.223 Euro Steuern zu zahlen und bei der Direktanlage 140.692 Euro. Aus diesem Grund kommt mittlerweile die tatsächlich ausgezahlte Höhe der Fondsgebundenen Rentenversicherung bei 8% Fondsrendite auf 427.131 Euro und ist somit 69.525 Euro höher als bei der Direktanlage. Bei 9% Fondsrendite liegt die tatsächliche Auszahlung sogar bei 560.824 Euro und ist 92.488 Euro höher als bei der Direktanlage.
Steuervergünstigung durch Verrentung:
Es besteht jedoch auch die Möglichkeit sich das Kapital verrenten zu lassen. In diesem Fall ist die Besteuerung der Fondsgebundenen Rentenversicherung noch geringer. Es werden nur die Ertragsanteile (Ertragsanteiltabelle) besteuert. Bei der angenommenen Fondsrendite von 8% würden in diesem Fall ca. 3.000 Euro im Monat Rente anfallen. Die Besteuerung berechnet sich dann wie folgt.
Rente*(Ertragsanteil*(Steuersatz+(Steuersatz*Solisatz)))= Steuerlast
3000*(0,17*(0,3+(0,3*0,055)))=161,42 (Steuerlast)
Somit steht nach der Steuer eine Rente von 2.838 Euro zur Verfügung. Es würden nur 5,3% Steuern angefallen.
Bei einer angenommenen Fondsrendite von 9% beträgt die Rente ca. 4.000 Euro. Nach Steuern kommen ca. 3785 Euro Rente zur Auszahlung. Diese Möglichkeit gibt es nur bei einer Rentenversicherung. Aus diesem Grund ist ein Vergleich mit dem Direktinvestment nicht möglich.
Fondskosten
Es ist wichtig die laufenden Kosten beim Kauf zu beachten. Leider wird häufig nicht die Betrachtung auf die Fondskosten gelegt, sondern nur auf die Abschlusskosten. Aus diesem Grunde wollen wir uns anhand eines Beispiels mit den Kosten zweier Fonds, die augenscheinlich erst einmal gleich sind, beschäftigen. In der Folge werden wir uns dann anschauen, was diese geringen Kostenunterschiede bewirken und ob sie wirklich so gering sind.
In Deutschland wird aus steuerlichen Gründen normalerweise der Templeton Growth Euro (Fondsprofil) vermittelt. Als Direktanlage ist dies zur Umgehung der komplizierten Quellensteuerproblematik in Amerika notwendig. Im Rahmen der Fondsrente ist es jedoch bei einigen wenigen Anbietern möglich die Quellensteuer zu umgehen. Es ist möglich, den Templeton Growth Inc. (Fondsprofil) zu besparen. Der wesentliche Unterschied zwischen diesen beiden Fonds ist die Kostenquote. Während der Templeton Growth Euro eine TER von 1,85% hat, hat der Templeton Growth Inc. nur 1,05% TER. Die Eurovariante ist somit 0,8% teurer. Dies führt bei einer Vergangenheitsbetrachtung über 42 Jahre zu folgendem Ergebnis:


Das Ergebnis ist erschreckend. Eine höhere Kostenstruktur der Fonds führt zu einem deutlich anderen Ergebnis. So kommt es, dass der Templeton Growth Inc. in diesem Fall ein Ablaufergebnis von 824.876 Euro hat. Der Templeton Growth Euro hätte durch seine höhere Kostenstruktur von 0,8% nur ein Ablaufergebnis von 628.000 Euro. Dies ist ein Unterschied von 196.876 Euro. Leider bieten nur sehr wenige Fondsgebundenen Rentenversicherungen diese Variante an. Die meisten bieten den Templeton Growth Euro an, da hier die Rückflüsse (Kick-Back) zu den Versicherungsgesellschaften höher sind. Mit diesen sehr hohen Rückflüssen ist es für die Versicherungen einfacher, die offene Kostenstruktur günstiger zu kalkulieren und auf Umwegen über die Rückflüsse mehr Geld zu erwirtschaften.
Fondsgebunden Rentenversicherung:
Hier bleibt die Betrachtung gleich. Bei einer angenommenen Fondsrendite von 8% erwirtschaften wir nach Fondswechseln und Steuern 427.131 Euro. Bei einer Fondsrendite von 9% sogar 560.824 Euro
Direktanlage:
Durch die höhere Kostenstruktur in diesem Beispiel des Fonds in Höhe von 0,8% werden auch die Ablaufleistungen geringer. Es liegt somit nur noch eine angenommene Fondsrendite von 7,2% und 8,2% anstelle von 8% und 9% vor. Nach Fondswechseln und Steuern werden nur noch 304.868 Euro, bzw. 395.964 Euro erwirtschaftet.
Zusammenfassung:
Durch die Möglichkeit in der Fondsgebundenen Rentenversicherung in preiswertere Fonds nach amerikanischem Recht zu investieren, wird der Unterschied zwischen der Fondsgebundenen Rentenversicherung und der Direktanlage noch deutlicher. In diesem Fall erwirtschaftet die Fondsgebundene Rentenversicherung mittlerweile bei einer Fondsrendite von 8% 122.263 Euro mehr. Bei einer Fondsrendite von 9% sogar 164.860 Euro mehr. Dies entsprich einer Mehrrendite der Fondsgebundenen Rentenversicherung von über 40%.
Psychologie
Fondsgebunden Rentenversicherung:
Bei der Fondsgebundenen Rentenversicherung fällt der größte Teil der Kosten in den ersten fünf Jahren der Laufzeit an. Aus diesem Grund wir sie sehr häufig von Verbraucherschutzzentralen verteufelt. Diese erhöhten Anfangskosten sorgen jedoch für wesentlich größer Disziplin beim konsequenten besparen der Altersvorsorge.
Direktanlage:
Bei der Direktanlage fallen die Kosten mit jeder Einzahlung proportional an. Somit ist der Rückkaufswert von Beginn an sehr hoch. Dieser Vorteil relativiert sich jedoch bei steigender Laufzeit. Mit jedem Fondswechsel wird der Vorteil kleiner. Die Steuerbetrachtung und die Betrachtung der Fondskosten sorgen mit steigender Laufzeit für ein erschreckendes Bild.
Zusammenfassung:
Die Fondsgebundene Rentenversicherung hat aufgrund ihrer Kostenstruktur eine wesentlich größere Wahrscheinlichkeit dauerhaft bespart zu werden als ein einfacher Investmentsparplan. Aufgrund der hohen Rückkaufswerte werden normale Sparpläne gerne zum Kauf von Autos, Küchen oder anderen Konsumgütern genutzt. Eine Altersvorsorge ist jedoch nur dann gut, wenn sie ihr Ziel (die Rente) erreicht.
Nach dieser sehr ausführlichen Betrachtung erscheint die Fondsgebundene Rentenversicherung die richtige Lösung für die Altersvorsorge zu sein. Sie erwirtschaftet im Laufe der Zeit deutlich mehr Kapital und ist steuerlich bessergestellt. Auch ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Fondsgebundene Rentenversicherung bis zur Altersvorsorge durchgespart wird, wesentlich höher. Es gibt jedoch noch weitere wichtige Aspekte bei der Auswahl der richtigen Altersvorsorge. Hierzu können unter anderem die Absicherung der Familie, Vererbbarkeit oder auch Schutz vor Hartz IV oder Insolvenz sein. Um Ihren individuellen Wünschen gerecht zu werden, empfehlen wir Ihnen Kontakt zu unseren Beratern aufzunehmen.
Letzte Aktualisierung: März 2009
Autor: Alexander Koch




